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Mein Reisetagebuch über den Urlaub in Nepal:

Alle Fakten, die unter den Daten stehen (Besteigungen, Namen, etc.) müssen noch überprüft werden.

Es gibt auch eine Version zum herunterladen, damit Ihr nicht unnötig Telefonkosten habt. :-)

Die Verweise auf Fotos erscheinen in diesem Fenster (So keine weitere Anmerkung dazukommt). Jede Seite hat ein "zurück" an die jeweilige Stelle des Tagebuchs.

Am Ende der Seite geht's auch zum Hauptindex zurück. Viel Spaß beim Lesen!

Im Februar 2000, 9.26 Uhr, Köln, ca. 50 MüNN

Thomas und Ich sind losgezogen, um die notwendigen Impfungen machen zu lassen. Die Infos hatten wir von der Uni in Köln. War zwar nicht unbedingt das, was man preiswert nennen könnte, aber es ist ja besser so...

28. April 2000, 9.26 Uhr, Köln, Ruhepuls: 58

Am 3.5.00 geht es endgültig los! Thomas hat die Tickets jetzt zu Hause auf dem Schreibtisch liegen.. :-) Vorfreude und kribbeln im Bauch. Bisher habe ich nur einige Klamotten rausgelegt (hier gibt's ein Foto und eine Liste von allem, was ich mitgenommen habe). Das Impfen ist schon lange vorbei. Die Medikamente besorgt meine Mutter gerade noch (Sie ist Ärztin). 550 $US sind bei der Bank vorbestellt.
Ich muß noch Filme für die Kamera besorgen. Gestern hat meine Mutter ein altes Fotoalbum der Familie ausgegraben... Eine Tante war schon 1977 in Indien/Nepal. Auf einigen Fotos war Everest, Lhotse, Nuptse und Pumori zu sehen. Sie war schon von den Bergriesen beeindruckt; ich bin gespannt, wie es mir bei dem Anblick geht.

05. Mai 2000, 7.44 Uhr, Kathmandu, 1400 MüNN

Wir sind seit ein paar Minuten wach. Die Geräuschkulisse ist schon wieder sehr fremdartig, aber noch kein Vergleich zu gestern. Wir sind gegen 15.00 Uhr hier angekommen, haben ein bißchen Geld Getauscht. Der Fahrpreis wurde im voraus ausgehandelt und dann starteten wir in den (füreuropäische Verhältnisse) chaotischen Verkehr. Abends sind wir ein bißchen durch Thamel gelaufen und waren dann lecker Essen nachdem wir ein paar eMails verschickt haben. Wir sind beide gesund und wohlgelaunt.

05. Mai 2000 13.00 Uhr, Kathmandu

Nach dem Frühstück waren wir zu Fuß zur Botschaft gelaufen. (Es wird gebeten sich zum Trekken bei der Botschaft An- und Abzumelden, damit sie eventuell eine Suchaktion/Rettung veranlassen können, so eine Kostenübernahme gesichert ist). Danach waren wir beim Tempel Pashupathinath. Es ist erschreckend, daß hier einige wunderschöne Tempel stehen und ein paar Meter weiter eine wilde Müllkippe ist. In Thamel wird man laufend angequatscht (Sir! Look! Nice and cheap!), während es außerhalb von Thamel (abgesehen vom Verkehr) ruhig und beschaulich zugeht. Mofas werden am Straßenrand (im Staub) auseinandergenommen (incl. Motor) und anschließend wieder zusammengebaut. Es scheint zwar unmöglich, aber die Dinger laufen anschließend wieder.
Gleich wollen wir in die Agentur und den Flug nach Lukla besorgen, damit wir aus Kathmandu rauskommen. Abend waren wir noch in Pilgrims BookHouse. Ich habe mir Thomas Clancys "Without remorse" zugelegt.

07. Mai 2000 6.04 Uhr, Phakding, ca. 2600 MüNN, Puls um 8.00 Uhr: 88

Die Lebensgeister haben sich vor ca. 15 Min. gerührt. Gestern Abend habe ich Kopfschmerzen bekommen, in der Nacht hat es einen riesigen Regenguß gegeben. (Vielleicht hat meine Wetterfühligkeit zugeschlagen).
Vorgestern waren wir in der Agentur und haben für den nächsten Morgen einen Flug nach Lukla bekommen. Um 5.30 Uhr mußten wir da sein, um 4.30 Uhr war wecken. Nachdem wir endlich gefunden hatten, wo wir hin mußten, flogen wir um 6.30 Uhr los und landeten gegen 7.15 Uhr in Lukla. Die Landepiste von Lukla (1964 für 2650 $US unter Aufsicht von Edmund Hillary von Sherpas gebaut, ca. 490 Meter lang mit ca 10 Grat Steigung) führt bergauf und endet vor einer Felswand.
Der Flug von Kathmandu nach Lukla ist ein reiner Sichtflug, teilweise waren wir so nahe an den Bergen, daß man das Gefühl hatte nur die Arme auszustrecken, um die Berge zu berühren.
In Lukla besorgten wir uns Tee und marschierten los. Kurz nach dem Aufbruch machten wir uns mit einer wunderbaren Sicht über die als Frühstück mitgebrachte Wassermelone her.
Gegen 12.00 Uhr waren wir in Phakding und haben uns in einer Lodge mit phantastische Aussicht eingemietet. Das Rauschen des Dudh Kosi hat uns in den Schlaf gesungen. Nachmittags waren wir noch ein paar Meter ohne Rucksäcke gelaufen, haben eine über 100 M lange Hängebrücke überquert und sind dann zum Ufer hinab. Überall rundgeschliffene Steine in allen Größen. Das Wasser ist für einen Gletscherfluß recht schmutzig. Dosen, Schuhe und ähnliches sind im Flußbett sichtbar.

07. Mai 2000 20.43 Uhr, Namche Bazaar, 3440 MüNN

Thomas und ich sitzen jetzt in Namche Bazaar. Es war für mich ein sehr, sehr, sehr schwieriger Tag. Heute Morgen um 8.00 Uhr sind wir an der Lodge losgegangen, um dann um 8.15 Uhr die Waffen zu strecken, bevor der Regen uns durchweicht. Die Lodge, in der wir gewartet haben, war immer noch in Pheriche. Um kurz nach 12.00 Uhr sind wir wieder los, bis ich um ca. 12.15 Uhr bemerkte, daß eine der beiden Karten von uns fehlt. Thomas ist zwar zurückgegangen, um sie zu holen, aber in der Wartezeit bin ich kalt geworden und habe danach keinen Tritt mehr gefunden. Am Parkeingang haben wir unsere Permits besorgt. Kurz vor 17.00 Uhr waren wir endlich in Namche Bazaar. Wir haben in einer Lodge jeder 2 Tee getrunken und sind dann weiter zu unserem Nachtquartier. Es gab hier eine heiße Dusche und jetzt fühle ich mich wie neugeboren. Nur die Beine tun mir noch weh. Der Ruhepuls nach dem Essen: 94

Wir haben riesige Berge und Wasserfälle gesehen, viel Natur, aber (selbst) im Naturschutzpark (Weltnaturerbe der UN) gibt es wilde Müllkippen.
Ich bin gespannt, was die Beine morgen sagen... Die zweite Teekanne ist bald leer, heute Nacht ist die dritte dran. Für Morgen ist ein Tagesausflug geplant, davor wird wieder eine Kanne geleert.

08. Mai 2000 6.21 Uhr, Namche Bazaar, Ruhepuls: 64

Blauer Himmel und Sonnenschein... :-) Perfektes Wetter für einen Ausflug.

20.15 Uhr, Namche Bazaar

Wir haben dann noch zwei Stunden geschlafen, weil kein großes Programm anstand. Nach dem Frühstück ging es in Richtung Everest View Hotel. Es war aber leider ziemlich Wolkig. Die Gipfel, die man in Richtung Everest sehen konnte waren Lhotse oder Nuptse. Danach sind wir nach Khumjung und gemütlich nach Namche zurück. Abends ist es dann zugezogen. Es wird wohl regnen. Mal schauen, was morgen geht. Gerüchteweise soll heute erst Camp 4 am Everest aufgestellt worden sein. Es gibt hier soviel großartige Natur zu sehen. Gigantische Berge, Täler und Wasserfälle. Einfach unglaublich.

09. Mai 2000 5.00 Uhr, Namche Bazaar, Ruhepuls: 66, 16.27 Uhr, Namche Bazaar

Ich habe eben meine 5 Postkarten zum "Post Office" gebracht. Ein kleiner Bau, im ersten Stock das Office, die Eingangstür ca. 175 cm hoch. Bin mal gespannt, wann die Karten ankommen...
Heute sind wir in NW-Richtung gegangen. Als es zugezogen ist, haben wir beschlossen umzudrehen, um dem Regen aus dem Weg zu gehen. In dieser Richtung ist das Tal sehr schön sauber. Thomas hat ein strammes Tempovorgelegt, ich wollte es ruhiger angehen lassen, um Kraft für weiter oben zu behalten. Morgen mit dem Rucksack will ich ein bißchen bremsen. Unterwegs haben wir einen Süd-Kalifornier getroffen, der schon im BaseCamp war und den jetzigen Ausflug nach eigener Aussage wesentlich mehr genießt. Ich bin mal gespannt, wie das Wetter weiter oben ist. Tom macht sich über das nach oben-kommen insgesamt mehr Sorgen, als über den Weg und die Akklimatisation.

10. Mai 2000 6.00 Uhr, Namche Bazaar, Ruhepuls: 60, 13.48 Uhr, Tengboche, 3860 MüNN

Heute sind wir von Namche Bazaar nach Tengboche (Thyangboche) gelaufen. Gegen 8.00 Uhr sind wir los, gegen 12.30 Uhr waren wir dann da. Wir sind jetzt ca. 3800 M hoch; wenn die Sonne scheint ist es schön warm, wenn Wind aufkommt oder Wolken, wird es schnell eisig. Der Weg war leicht, aber anstrengend; es ging erst 200-300 M tiefer, um dann recht steil nach Tengboche hinaufzuführen. Das "erste Teilziel" ist erreicht!!
Die ersten Fotos von Ama Dablam, Lhotse, Lhotse Shar und Everest sind im Kasten. Heute Morgen war es klar und schön, mittags ist es wieder zugezogen. Das scheint hier jeden Tag so zu gehen. That's the Weather-Pattern.
Wir haben ein Zimmer mit Blick auf Ama Dablam, Lhotse und Everest. Wenn es heute nacht klar ist, kann ist vielleicht eine Langzeitaufnahme machen...
Wir sind beide nach wie vor fit. Mein rechter Knöchel tut weh und Thomas fühlt sich, als hätte er ein bißchen was getrunken. Mein Nacken schmerzt auch ein bißchen. Gestern haben wir noch Teleskopstöcke besorgt; ich denke, daß wir morgen bösen Muskelkater haben werden...

11. Mai 2000 5.30 Uhr, Tengboche, Ruhepuls: 64, 18.38 Uhr, Pengboche Wa Lim, 3840 MüNN

Wir sind noch zwei Stunden in den Daunen geblieben. Bis um 11.00 Uhr sind wir in der Lodge geblieben, haben in Ruhe gefrühstückt und die phantastische Aussicht genossen. Es wird gerade dunkel... Das Essen ist geordert, der Tee steht schon auf dem Tisch. Die Klamotten sind wiedertrocken. Die Strecke Tengboche-Pangboche sind wir zweimal gelaufen, weil ich meinen Pulli vergessen hatte. Auf dem zweiten Weg sind wir einen anderen Weg gegangen und dabei das erste Mal über 4000 M gewesen. Schlafen werden auf ca. 3840 M. Mal schauen, wie das wird...
Das Laufen ohne Gepäck (beim zweiten mal) war richtig einfach. Unterwegs haben wir ein paar Deutsche getroffen, die mit einer Aufräum-Expedition unterwegs sind. Auf die Frage nach dem warum, reichten die Antworten von "Überzeugung" (und es ist auch wichtig!!) bis "... weil's nicht so teuer ist.". So oder so: HUT AB!!
Heute Abend habe ich das erste - und letzte - Mal Tee mit Milch, ansonsten immer Schwarz mit Zucker, bestellt. Er schmeckt extrem nach Rauch... (Ich habe hinterher dann doch wieder Tee mit Milch getrunken und der war O.K., anderswo war der "normale" schwarze Tee rauchig...)

12. Mai 2000 6.15 Uhr, Pengboche Wa Lim, Ruhepuls: 62, 17.01 Uhr, Pheriche, 4240 MüNN

Nachdem wir heute Morgen um kurz nach 8.00 Uhr losgegangen sind, waren wir nach gemütlichen 2 1/2 Std. mit einer guten 1/2 Std. Pause in Pheriche. Wir haben dann mit einer Schottin, die Probleme mit Ihrer Akklimatisation hat, in der Sonne gesessen und gelesen/geschrieben und geschlafen. Um 15.00 Uhr wollten wir bei der HRA (Himalayan Rescue Association) einen Vortrag über Höhenkrankheit und deren Vermeidung hören. Ursprünglich waren es drei Ärztinnen, jetzt ist es, weil es Ende der Saison ist, nur noch eine und die ist heute Vormittag Richtung Island Peak Base Camp in ihren wohlverdienten Urlaub entschwunden. Stattdessen sind wir dann nach Dingboche gelaufen um einen Tee/Kakao zu trinken. In der Lodge waren ca. 1/2 dutzend Leute. Zwei kannten wir aus Tengboche. Es war auch ein Mexikaner da, den ich glaube ich, mal im Internet auf einer der Everest-Pages gesehen habe.
Heute schlafen wir ca. 4240 M hoch. Mal schauen, wie es uns morgen geht. Thomas hat die letzten Tage schlecht geschlafen, wacht auch oft auf. Ich werde zwar auch wach, schlafe aber direkt wieder ein und schlummere wie Kleinkind.
Die Perspektive auf Ama Dablam hat sich geändert, wir sehen sie nicht mehr von Süden, sondern von Nord-Westen. Wenn es wieder klar wird, ist eine Langzeitaufnahme angesagt.

Morgen geht es wohl nach Tughla -4620 M. Es gab ein "luxuriöses" Abendessen mit Boiled Potatoes und tibetan Bread...

13. Mai 2000 5.30 Uhr, Pheriche, Ruhepuls: 56, 12.27 Uhr, Pheriche.

Wir haben beschlossen, daß wir heute noch in Pheriche bleiben. Der Puls von Thomas ist irre hoch, fast bei 100 um 8.30 Uhr.
Um 9.45 Uhr sind wir dann zu einem "kleinen" Ausflug gestartet. Im Moment sind wir ca. 5400 bis 5500 M hoch und sitzen in der Sonne. Wir haben viele Fotos geschossen. Lhotse, Lhotse Shar, Peak 38, Island Peak, Ama Dablam und Makalu sind auf Film gebannt. Wir können uns im Moment gar nicht von diesem Anblick losreißen.
Ich glaube, daß der zusätzliche Tag uns gut tun wird. Der Ausflug wird das Seinige dazu beitragen (Climb high, sleep low).
Jetzt ziehen langsam, wie üblich, Cumulus-Wolken, die Auf ca. 6700 M anfangen (Spitze von Ama Dablam teilt die Wolken) auf. Wir machen uns gegen 13.00 Uhr auf den Weg nach unten. Zwischendrin mußten wir auch wieder Bergauf gehen. Wir mußten durch SAND aufwärts stapfen (keuch).

13. Mai 2000 7.30 Uhr, Pheriche, Ruhepuls: 62, 19.00 Uhr, Tughla, 4620 MüNN

Wir haben eben gegessen. Der Tag war eigentlich nicht lang, aber beim Abstieg von Lobuche nach Tughla habe ich leichte Kopfschmerzen bekommen. Ich glaube, ich trinke nicht genug. Bitter aber wahr, ich quäle den Tee schon in mich hinein. Wir sind von Pheriche über Tughla nach Lobuche gegangen. In Tughla haben wir das dänische Pärchen wieder getroffen (Sie will Psychologie studieren, er ist professioneller Fotograf. Falls jemand die beiden kennt, schickt mir bitte ihre eMail-Adresse...: Danke im Voraus!) und bis Lobuche begleitet.
Die Kopfschmerzen beschränken sich auf den Hinterkopf und sind auszuhalten; ich will hier in der Höhe nicht unnötig Pillen schlucken.
Wir haben seit 2,3 Tagen den Everest nicht mehr gesehen; nicht wegendes Wetters, sondern wegen der Winkel... Ich bin gespannt, wie es aussieht, wenn er so nah ist...
Heute haben wir 4-5 Lawinen gehört oder gesehen.

15. Mai 2000 5.41 Uhr, Tughla, Ruhepuls: 62, 11.20 Uhr, Lobuche, 4930 MüNN

Wir sind heute sehr zeitig aus den Federn. Wir sind um 7.15 Uhr los und waren 9.15 Uhr in Lobuche. Wir haben dann sofort das Zelt aufgebaut und sind dann in die Lodge einen Kakao trinken gegangen. Ich saß links außen, neben mir Tom, neben ihm ein Sherpa mit Funkgerät. Wir fragten, was es mit dem Funkgerät auf sich hat und er sagte, daß Leute am Everest unterwegs sind. "They're 2 hours away from the Summit. Right now They're on the south summit 300 Feet below Summit." Thomas wollte wissen, ob er auch schon mal oben war. Er schmunzelte und sagte: "Sure, 9 Times". Wenig später, nachdem der Sherpa mit seinem Begleiter gegangen war, kam ein Kanadier (Byron Smith) herein. Er bricht morgen Richtung Gipfel auf.
Im Moment liegen wir auf ca. 5200 M und hören in dieser Stille ab und zu Lawinen. Ein Hubschrauber ist vorhin, als wir auf einem Grat Richtung Lobuche-Gletscher gegangen sind, Richtung Basislager geflogen. Wir konnten von oben auf den Hubschrauber runtergucken...

12.25 Uhr In der Pyramide/8000M Inn @5050 MüNN

Neben uns am Tisch sitzen drei Mitglieder der katalanischen Everest-Expedition. Ich habe mir schon ihren Zorn zugezogen, als ich fragte, ob sie Spanier sind.. Ohoh

16. Mai 2000 6.30 Uhr, Lobuche, Ruhepuls: 66, 16.55 Uhr, Gorak Shep, 5200 MüNN

Heute erst ist der Gipfel über die Südsattel-Route bestiegen worden. Gestern haben sie umgedreht, weil der Schnee zu tief und der Wind zu stark war. Die News kommen von der Katalanischen Expedition. Bei Lobuche waren heute morgen gegen 10.00 Uhr zwei Mitglieder mit Funkgerät, daß Sie (Die Anderen. Wer? Gerüchteweise Chinesen, Japaner) oberhalb vom Hillary Step sind. Heute Nachmittag in Gorak Shep wurde bestätigt, daß heute Leute (von Süden) auf dem Gipfel waren. Gorak Shep ist die letzte bewohnte Siedlung (2 Lodges) vor dem Basislager. Im Moment sind wir auf ca. 5200 M Höhe.
Tom hat, wenn er den Kopf bewegt, Kopfschmerzen. Ich habe, als wir angekommen sind, eine Diamox genommen. Thomas hat gestern schon eine geschluckt.
Soweit geht es uns gut. Von Lobuche hierher war es zwar kompliziert, aber nicht lang. Zwischendrin war es mächtig steil und größtenteils auf der Seitenmoräne unterwegs.
Wenn morgen gutes Wetter ist, geht es auf den Kalar Pattar, danach noch einen Tag ins Basecamp, je nachdem, wie wir uns fühlen, auf einen Grat des Pumori, von dem aus man Everest besser sehen kann.

18. Mai 2000 18.35 Uhr, Gorak Shep

Tjaaa, es ist jetzt ein bißchen unregelmäßig geworden, aber mir ging es nicht gut. Ehrlich gesagt, geht es mir beschissen. Gestern Morgen sind wir um 4.30 Uhr aufgestanden und Richtung Kalar Pattar gegangen. Es war schweinekalt und trotz Handschuhen hatte ich kalte Finger. Es war psychisch schwer, weil ein Scheingipfel nach dem anderem auftaucht. Der eigentliche Gipfel ist wie ein spitzwinkliges Dreieck geformt, das nachdrei Seiten abfällt. Wir hatten riesiges Glück mit dem Wetter und wir haben massig Fotos geschossen. Everest, Lhotse, Nuptse und den Südsattel kann man sehen. Ama Dablam sieht von dort noch großartiger aus. Lhotse sieht tiefer aus, als Nuptse. Man kann zwei Grate vom Mt. Everest sehen. (Hier ist die Galerie 1, 2 und 3 in einem neuen Fenster)
Ich bin ganz ruhig geworden, weil mir die ganzen Geschichten der Tragödien durch den Kopf gingen und die Toten immer noch am Berg sind.
Den Nachmittag haben wir geruhsam in der Lodge verbracht. Dort fing es an, daß ich mich nicht wohl gefühlt habe. Ich habe eine Diamox genommen, aber es wurde nicht besser. Ich hatte Kopfschmerzen, die Beine waren schwach und der Rücken tut weh. Abends habe ich eine Schmerztablette genommen (an die Schlaftabletten habe ich mich nicht drangetraut, weil sie die Atmung verlangsamen und das m.E. mit dem wenig Sauerstoff hier nicht ratsam ist.). Ich habe zwar gut, aber nicht erholsam geschlafen. Tom ist alleine ins Basislager (Galerie 1 und 2 in einem neuen Fenster) gegangen, mir ging es zu schlecht. Bis er wieder da war habe ich geschlafen/gedöst, Tee getrunken. Zwei deutsche Ärzte, die zufällig auch in Gorak Shep waren haben mir zwei Dexamethason gegeben; eine für sofort und eine, falls es mir morgen nicht besser geht (Danke Roma und Oliver!). Wir sind von Gorak Shep nach Lobuche abgestiegen. Hier ist die Luft wieder wunderbar dick (auf 4920 M). So ändern sich die Zeiten..
Morgen geht es weiter runter, vielleicht nach Pheriche... Mal schauen; mir ist heute die große Hüftschnalle gebrochen, jetzt hängt noch mehr auf den Schultern. Ich könnte ko.... Hoffentlich finden wir bald Ersatz...

19. Mai 2000 18.50 Uhr, Lobuche

Die Schnalle ist provisorisch repariert. Wirklich gut ist es aber leider nicht. Unterwegs gab es keine passenden Ersatzteile, nur die kleinen Schnallen...

20. Mai 2000 11.50 Uhr, Chukkung, 4730 MüNN

Wir haben uns dann gestern irgendwie festgequatscht.
Gestern sind wir von Lobuche über Tughla und Dingboche nach Chukkung gelaufen. Es war ein langer Tag und ich war wieder kurz vor'm schlapp machen. Mit Pausen hat es aber geklappt. Gestern gab es die erste Coca-Cola seit 14 Tagen. Inzwischen sind wir soweit, daß wir viel über Essen, Trinken und Luxus reden.
Gestern Abend (das Essen war lecker, selbstgemachte Tomatensuppe) hatten wir teilweise unter 10 M Sicht. Dazu ganz, ganz feinen Nieselregen. Heute miteingerechnet sind wir noch 14 Tage hier. Einerseits schade, weil es noch so viel zu entdecken gibt, andererseits freue ich mich auf zu Hause. Im Moment haben wir ca. 150 M Sicht, perfektes Timing mit unserem geplanten Ruhetag. Island Peak, Ama Dablam und Lhotse verschwinden in den Wolken.

20. Mai 2000 16.00 Uhr, Chukkung

In Lobuche hat es uns dann doch erwischt. Abends hat es angefangen zu schneien. Morgens nannte irgendjemand die Aussicht: It's a winter-wonderland...
Es lagen zwar (gerade Mal) ca. 3-4 cm Schnee, die aber sofort weggetaut sind, aber die Berge drumherum hatten alle einen Überzug aus "Puderzucker". Ein Traum an Aussicht. Im Moment sind keine 20 M Sicht mehr. Mit uns in der Lodge sitzt eine schweizer Island Peak Expedition (Frz/Ital sprechend). Tom liegt im Schlafsack und liest Thomas Clancy; ich sitze am Ofen (Öfen sind manchmal ein bißchen heikel; die Leute lieben es, den Ofen bei seiner arbeit mit diversen Zugaben zu unterstützen) und habe kalte Füße und mache mir Gedanken über das Essen, das in Europa auf uns wartet.
Wir brauchen mindestens noch einen schönen Tag (Chukkung Ri), besser zwei (Chukkung Ri, Chukkung Tse), was danach an schönem Wetter kommt, ist für den Abstieg bestimmt. Wir haben noch 5 Tage Reserve, falls das Wetter nicht mitspielt oder wir noch Richtung Gokyo wollen.
Einen der Tage wollen wir in Kathmandu verbringen und gammeln.

21. Mai 2000 4.45 Uhr, Chukkung

Es geht gleich los... Blauer Himmel und Sonnenschein... :-)

19.45 Uhr, Tengboche, 3860 MüNN

Noch vor dem Frühstück haben wir Chukkung Ri "gemacht". (Galerie 1 und 2 in einem neuen Fenster) Die Traverse zum Chukkung Tse erschien zwar machbar, aber die Vernunft hat gesiegt. Der Grat ist geschichtet und ca. 10 cm breit. Es war uns schlicht zu gefährlich..
Stattdessen haben wir ein bißchen in der Sonne gedöst, die phantastische Aussicht genossen.
15 Min nachdem wir uns zum Abstieg entschlossen haben (Wir waren am höchsten Punkt ca. 5600-5650 M hoch) waren die Wolken da. In der Lodge haben wir dann gegen 10.00 gefrühstückt, danach die Sachen gepackt und sind bei anfangs 150 M Sicht an die 1000 Höhenmeter abgestiegen; hinterher war die Sicht dann besser. Um 18.00 Uhr waren wir dann in wieder in Tengboche. Unterwegs sind wir, als wir (mutig und leichtsinnig, wie wir sind (Tom hatte später heftige Probleme mit dem Magen)) aus einem kleinen Bächlein getrunken haben, einer Buddhistischen Prozession über den Weg gelaufen. Mit Butterfiguren, Butterlampen, Musik und Gebeten.

Wir sind beide froh, es an einem Tag soweit geschafft zu haben. Wir werden gut schlafen. Eben habe ich von 1/2 L ;-) Kölsch geträumt...

22. Mai 2000 10.30 Uhr, Tengboche

Wir sind in Tengboche in der gleichen Lodge untergekommen, wie auf dem Hinweg, die Leute erinnern sich und freuen sich, wenn man ein bißchen mit anpackt, z.B. sein Geschirr in die Küche bringen (vorher Fragen, ob man reinkommen darf!). Eben habe ich mich rasiert, war in die Küche gegangen, um nach ein bißchen Wasser zu fragen, habe einen großen Pott bekommen und ihn nachher gespült zurückgebracht; Am Wasser gleichzeitig das Handtuch einmal durchgedrückt. Dort gab es von zwei Sherpas erstaunte Blicke und ein bißchen Anfeuerung...

Tom ist heute Morgen Richtung Namche Bazaar verschwunden, Geld wechseln, mir eine Rucksackschnalle besorgen (vielleicht zur Bäckerei gehen und die Freundin anrufen; wer kann es ihm verübeln, er leidet sehr). Bei einem halbwegs ordentlichen Preis bringt er ein dutzend Postkarten mit, dann habe ich heute Nachmittag was zu tun.

12.46 Uhr, Tengboche

Tom ist noch nicht wieder da. Es regnet und man hat vielleicht 20 bis 25 M Sicht.
Es sind wieder Deutsche in der Lodge mit denen ich mich, während Tom unterwegs war, lange unterhalten habe, die Richtung Gokyo wollen. (Inzwischen haben Sie Kontakt mit mir aufgenommen, weil Christoph und Birgitte meine Homepage entdeckt haben. Er hat auch eine eigene Seite gemacht... Christoph war so freundlich und hat mir auch ein paar Bilder geschickt, die ich verwenden darf...) Wenn das Wetter so ist, wie jetzt, will ich eigentlich nicht höher. Lieber gemütlich rumsitzen, Tagträumen nachhängen und Pläne für den nächsten Urlaub schmieden. Falls wir Morgen kann ich entweder die restlichen Karten schreiben oder mir in Namche ein Buch besorgen und mal wieder ein bißchen lesen.

15.15 Uhr, Tengboche

Tom ist völlig durchgefroren wieder da. Er liegt gerade im Schlafsack und versucht sich ein bißchen aufzuwärmen.

23. Mai 2000 12.55 Uhr, Namche Bazaar

Seit fast zwei Stunden sind wir jetzt wieder in Namche Bazaar. Ich habe vorhin kurz mit Zuhause telefoniert. Die letzten Tage bin ich Nachts immer mit Zahnschmerzen aufgewacht. Um 14.00 Uhr habe ich einen Termin beim Zahnarzt. Wir waren in der Bäckerei, haben eine Käse-/Zuckerzopf gegessen und Wasser/Cola getrunken. Ich habe die letzten Karten besorgt, um sie in Kathmandu zu schreiben und loszuschicken.

16.20 Uhr, Namche Bazaar

Die Zahnärztin war völlig cool. Ich habe Antibiotika von ihr bekommen. Aufstechen wollte sie die Entzündung nicht, weil sie noch zu klein war und wir ja auf dem Weg runter sind...

26. Mai 2000 17.05 Uhr, Im Flugzeug nach Europa, über 8000 MüNN

Die letzten Tage sind dann auch wie im Flug vergangen; aber der Reihe nach...
Von Namche Bazaar ging es dann am nächsten Tag runter bis nach Lukla. Wir sind gegen kurz vor 8.00 Uhr los und waren gegen 14.00 Uhr da. Das deutsche Ärztepaar war auch wieder da. Der Weg hat sich gegen Ende enorm gezogen. Weder Thomas noch ich hatten den Weg von Lukla nach Phakding so lang und abwärts in Erinnerung. In der Lodge war der Eigentümer behilflich den Flug zu bestätigen. Angeblich in der zweiten Maschine. Nach einem gemütlichen Abendessen ging's in Bett, um morgen pünktlich beim Check-In zu sein. Uns wurde schließlich eröffnet, daß wir erst in der dritten Maschine sitzen werden. Problem: 1. Flughafenreparatur 2. Wetter 3. Wetter
Mit uns haben noch ein Amerikaner und ein Australier auf den dritten Flug gewartet. In Kathmandu haben wir ein Taxi nach Thamel genommen, uns im Hotel eingemietet und ich bin losgezogen ein paar eMails verschicken und Cola zu kaufen.
Aus der Cola sind dann Cola und Schokoladencookies geworden - es gibt einen kleinen Supermarkt in Thamel! Hinterher stand ich unter der Dusche und habe Cola getrunken.
Schließlich sind wir noch zur Agentur, wo wir unsere Rückflugtickets hinterlegt hatten und diese, wenn möglich für den nächsten Flug zu bestätigen.
Es hat alles geklappt, am nächsten Tag sollte es nach Deutschland gehen (wieder über Dubai).
Abends wollten wir in die Rum-Doodle Bar gehen. Sie hatten aber leider ihr jährliches Staff BBQ. Wir haben dann ein anderes leckeres Restaurant gefunden. Schließlich kamen noch 5 DIN A4 - Seiten Neuigkeiten per FAX aus Deutschland, die mein Papa geschickt hat. Um 4.30 Uhr sind wir wieder raus, um zum Flughafen zu kommen.
In ca 3 1/2 Std. sind wir in Frankfurt, dann kommen noch zwei Stunden Bahnfahrt dazu, dann sind wir gegen 20.00 Uhr Ortszeit wieder in Köln.
Wir waren dann noch ein Eis essen, bevor Thomas und ich unserer Wege gegangen sind...
Mein Zahn hat inzwischen eine Wurzelbehandlung bekommen und damit ist die letzte körperliche Erinnerung an Nepal verschwunden. Zum Glück gibt's ja Fotos...
Es wird nicht der letzte Besuch in Nepal gewesen sein...

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